Die Kindertagesstätte St. Josef blickt auf eine lange Tradition zurück. Ihre Wurzeln reichen bis in das Jahr 1911 zurück in die Anfangszeit der katholischen Gemeinde vor Ort. Bereits damals organisierten Ordensschwestern eine Kinderbetreuung für berufstätige Mütter.
Heute werden in der katholischen Kindertagesstätte 150 Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren betreut. Die Arbeit wird in einem "Offenen Konzept" umgesetzt, welches eng an dem "Hessischen Bildungs- und Erziehungsplan" angelehnt ist. Alle Räume sind im Sinne des Werkstattgedankens nach bestimmten Schwerpunkten ausgestattet. Diese sind Kunst und Kreativität, Bauen und Konstruieren, Sprache und Literacy, Forschen und Entdecken. Eine ausgebildete Hauswirtschaftskraft kocht jeden Tag etwas Leckeres für alle Kinder.
Anlässlich des 115-jährigen Bestehens nutzten Erster Stadtrat Stefan Schmitt, Diana Flucke-Leber (Fachbereichsleitung Kinder) und Nina Wensky (Fachberatung) die Gelegenheit, um sich bei der Kitaleitung Christina Moka, der stellvertretenden Leitung Carmen Röder und dem Pfarrer Martin Berker für die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit zu bedanken: „Die katholische Kita St. Josef ist seit Jahrzehnten als eine der größten Kitas in der Stadt ein wichtiger Baustein der Kinderbetreuung in Neu-Isenburg. Hier wird frühkindliche Bildung vermittelt, die getragen ist von Haltung, Erfahrung und einem starken Miteinander. Die katholische Kirche in Neu-Isenburg ist uns ein starker und verlässlicher Partner in der Kinderbetreuung. Wir danken für die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit.“
Im Zuge der Industrialisierung entstanden zu Beginn des 19. Jahrhunderts in größeren Städten Kleinkinderschulen und Bewahranstalten sowie Kindergärten.
Neu-Isenburg erlebte in der Phase der Hochindustrialisierung gegen Ende des 19. Jahrhunderts ein starkes Wachstum. Während die Stadt zur Zeit der Reichsgründung im Jahr 1871 noch 3.261 Einwohner zählte, waren es im Jahr 1900 bereits 4.378 – ein Zuwachs von 25,5 Prozent. Dieses starke Bevölkerungswachstum beruhte vor allem auf dem Zuzug katholischer Familien: Lebten 1871 lediglich 165 Katholiken in Neu-Isenburg, so stieg deren Zahl bis 1900 auf 1.218 an – mehr als das Siebenfache innerhalb von drei Jahrzehnten [2].
Bereits 1875 hatte die kleine katholische Gemeinde mithilfe landesweiter Spenden eine Kapelle und ein Pfarrhaus an der Kirchstraße errichtet. Da der schlichte Bau nur rund 250 Gläubigen Platz bot, entstand schon bald der Wunsch nach einer größeren Kirche. Als die katholische Gemeinde um 1910 fast 2.000 Mitglieder zählte, entschied man sich, einen Planungsentwurf für einen Neubau auf dem Grundstück an der Ecke Kirchstraße/Waldstraße in Auftrag zu geben [1; 4]. Dieser erste Planungsentwurf wurde dem Mainzer Architekten Professor Ludwig Becker zur Begutachtung vorgelegt, der empfahl, den Entwurf so anzulegen, dass spätere Erweiterungen möglich blieben. Ob dem Planungsentwurf bereits damals die endgültige Planung des Architekten Hans Rummel zugrunde lag, nach der ab 1911 gebaut wurde, ist anhand der überlieferten Unterlagen heute nicht mehr eindeutig zu klären. Am 19. März 1911 erfolgte die Grundsteinlegung, und bereits am 23. Oktober 1911 konnte der Mainzer Bischof Dr. Georg Heinrich Maria Kirstein die neue St.-Josefskirche einweihen [1].
Im selben Jahr eröffnete die Kirchengemeinde in der Kirchstraße 14, in unmittelbarer Nähe zur neuen St-Josef-Kirche, eine katholische Kleinkinderschule [5]. Der Kinderhort war gut besucht und bot im Jahr 1924 fast 100 Kindern Betreuung [3]. Die katholische Kleinkinderschule war die direkte Vorläufereinrichtung der heutigen Katholischen Kita St. Josef in der Kirchstraße 20. Nach der Kita der evangelischen Johannesgemeinde (eröffnet 1844) ist die Kita St. Josef die zweitälteste Kindertagesstätte Neu-Isenburgs.
Kitas in Neu-Isenburg
Insgesamt stehen in den Kindertagesstätten 1.650 Plätze zur Verfügung, von denen zum 1. März 2026 1.532 Plätze belegt waren - die Platzreduzierung im Zuge der Inklusion ist hierbei bereits berücksichtigt. Im Einzelnen gibt es für Neu-Isenburger Kinder im Alter von ein bis drei Jahren (U3) und von drei Jahren bis Schulbeginn (Kita) folgende Betreuungsplätze:
Betreuungsplätze in Einrichtungen in städtischer Trägerschaft U3 66 Kita 516
Betreuungsplätze in Einrichtungen in freier Trägerschaft U3 198 Kita 450
Betreuungsplätze in Einrichtungen in kirchlicher Trägerschaft U3 48 Kita 684
Erster Stadtrat Stefan Schmitt: „In den vergangenen Jahren wurde das Angebot an Betreuungsplätzen kontinuierlich ausgebaut, vor allem bei den freien Trägern und kirchlichen Trägern sowie in der Tagespflege, um eine möglichst umfassende und bedarfsgerechte Betreuung sicherzustellen. Grundsätzlich ist Neu-Isenburg mit den bestehenden Angeboten in der Kinderbetreuung gut und qualitativ hochwertig aufgestellt. Besonders auf unsere große Trägervielfalt und die vielen unterschiedlichen Angebote für die Kinder sind wir stolz.“
Quellen
1. Custodis, Paul-Georg/Rummel, Hans: Die Architekten Hans und Christoph Rummel,
ihre Kirchenbauten zwischen Historismus und Moderne und ihre profanen Bauten, Mainz 2020, hier S. 19.
2. Knöpfel, Ludwig: Stand und Bewegung der Bevölkerung in den einzelnen Gemeinden
des Großherzogtums Hessen während des 19. Jahrhunderts (Beitrage zur Statistik des Großherzogtums
Hessen; Bd. 59, H. 4), Darmstadt 1909, hier S. 14* f.
3. Statistisches Handbuch für den Volksstaat Hessen. Dritte Ausgabe, hrsg. v. d. Hessischen Zentralstelle
für die Landesstatistik, Darmstadt 1924, hier S. 135 f.
4. Gemeindeverzeichnis für den Volksstaat Hessen nach der Volkszählung am 16. Juni 1925
und 1. Dezember 1910, Hrsg. v. d. Hessischen Zentralstelle für die Landesstatistik, Darmstadt 1926,
hier S. 39.
5. Adressbuch Neu-Isenburg für das Jahr 1924, Neu-Isenburg 1924,
hier Abschn.: Behörden, Schulen, Kirchen, Institute und Vereine.





