Eine Erfolgsgeschichte zeitgenössischer Kunst
Neu-Isenburg feiert 25 Jahre Stadtgalerie: Was vor einem Vierteljahrhundert als Vision begann, ist heute ein fester Bestandteil des kulturellen Lebens der Stadt. Initiiert wurde die Gründung der Stadtgalerie vom damaligen Bürgermeister Dirk Oliver Quilling gemeinsam mit Walter Zimbrich und Wilhelm Krahn – zwei profunden Kennern und engagierten Vermittlern zeitgenössischer Kunst.
Mit der Nutzung von Räumen über dem neu geschaffenen Bürgeramt erhielt die Idee eines dauerhaften Ausstellungsortes konkrete Gestalt. In enger Anbindung an das städtische Kulturbüro und gemeinsam mit Dr. Bettina Stuckard formierte sich ein Team, das von Beginn an von der Überzeugung getragen war: Kunst ist ein wesentlicher Bestandteil gesellschaftlichen Denkens und Austauschs.
Ein wichtiger Bezugspunkt war die Tradition der Galerie Patio, die mit Künstlerpersönlichkeiten wie Walter E. Richartz, Thomas Bayrle und Timm Ulrichs weit über die Stadtgrenzen hinaus wirkte. Dieses internationale Bewusstsein, das nach dem Zweiten Weltkrieg neue geistige Räume eröffnete, setzte die Stadtgalerie fort.
Anfängliche Skepsis gegenüber den Räumlichkeiten – ehemals Testfläche für Waschmaschinen – wich schnell der Erkenntnis, dass die lichtdurchfluteten Ebenen mit großzügiger Wand- und Stellfläche sowie barrierefreiem Zugang ideale Bedingungen bieten. Gezeigt wird seither aktuelle Kunst professionell arbeitender Künstlerinnen und Künstler mit nachvollziehbarem Werdegang. Eine Jury entscheidet auf Grundlage eingereichter Viten und Kataloge über die Ausstellungen. Dieser Qualitätsanspruch brachte Anerkennung, stieß aber auch auf Diskussionen – ein Dialog, der bis heute Teil des Selbstverständnisses ist.
Das kuratorische Ziel war und ist es, ein breites Spektrum bildender Kunst abzubilden und zugleich Bezüge zur Stadt sichtbar zu machen. Zahlreiche Künstlerinnen und Künstler, die in Neu-Isenburg leben oder lebten oder deren Werk mit der Stadt verbunden ist, wurden präsentiert. So entstand über die Jahre ein beeindruckendes Portfolio.
Auch praktische Herausforderungen wurden gemeistert: Technische Lösungen wie UV-geschützte Rahmen, Jalousien und eine Dachverkleidung verbesserten die Präsentationsbedingungen nachhaltig. Nach über 40 Ausstellungen zeigt sich der Erfolg des Konzepts deutlich. Die Stadtgalerie verbindet ein anspruchsvolles Programm mit niedrigschwelligem Zugang – nicht selten führt der Weg ins Bürgeramt spontan auch in die Ausstellungsräume.
Vernissagen, Führungen, Einführungen sowie Midi- und Finissagen fördern lebendige Diskussionen und Begegnungen. Die Stadtgalerie steht für ein demokratisches Kunstverständnis, das Vielfalt zulässt und Austausch ermöglicht. Sie ist Teil eines aktiven bürgerschaftlichen Engagements, das sich in zahlreichen Kunstinitiativen und Projekten im gesamten Stadtgebiet widerspiegelt.
Walter Zimbrich und Wilhelm Krahn sind inzwischen verstorben, ebenso einige der ausstellenden Künstlerinnen und Künstler. Ihre Werke jedoch bleiben – und mit ihnen die Idee, dass Kunst einen festen Platz im Selbstverständnis der Stadt und im Leben ihrer Menschen haben soll.
