Junge Frauen posieren 1937 in adretten Ensembles auf dem neuen „Flug- und Lufthafen Rhein-Main“ in und vor dem Luftschiff LZ 129 „Hindenburg“ – nur wenige Monate vor dem Unglück in Lakehurst. Die Modestrecke verbindet modische Eleganz mit der technischen Leichtigkeit des Zeppelins.
Mit der Serie der Fotografin Angelika von Braun von 1937 zeigt das Zeppelinmuseum Zeppelinheim, wie das berufliche Selbstverständnis von Fotografinnen sich seit den 1900er Jahren verändert hatte. Viele Frauen waren in die professionelle Fotografie eingestiegen, ob als Bildjournalistinnen, Künstlerinnen oder Modefotografinnen. Gleichzeitig zeigen sich aber auch die politischen Ambivalenzen in den Biografien von Fotografinnen und Fotografen, die im Nationalsozialismus ihrem Beruf weiter nachgingen, von dem Exil und der Verfolgung ihrer jüdischen Kolleginnen und Kollegen profitierten, und von ihrer Beteiligung am Bildjournalismus, der Modefotografie oder anderer Genres finanziell gut leben konnten. Oft ging die weitere berufliche Laufbahn ohne einen Knick in der Nachkriegszeit weiter.
Anhand verschiedener fotografischer Lebensläufe von Frauen des Rhein-Main-Gebietes widmet sich der Vortrag von Dr. Dorothee Linnemann einem Überblick über die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts und dem Rhein-Main-Gebiet als einem guten Standort für Fotografinnen.
Dr. Dorothee Linnemann ist seit 2020 Kuratorin für Grafik und Fotografie am Historischen Museum Frankfurt. Ihr Interesse gilt der Geschichte und Gegenwart der Frankfurter Fotografie, dem partizipativen Sammeln von Frankfurter (Medien-) Geschichte sowie den Forschungsschwerpunkten der gender studies, der visual arts und der Demokratiegeschichte. Ihre bisher größte Sonderausstellung „Stadt der Fotografinnen. Frankfurt 1844-2024“ war im Sommer 2024 zu sehen.

