Nach 34 Jahren wurde Conny Bünger, die langjährige Leiterin der Freizeitvilla, in den Ruhestand verabschiedet. Gemeinsam mit vielen Weggefährten, ehemaligen Hortkindern, Eltern, Kindern der Freizeitvilla und Kolleginnen und Kollegen wurde ein buntes Fest gefeiert, bei dem aber auch viele Abschiedstränen flossen. Diana Flucke-Leber (Fachbereichsleitung Kinder) und Petra Schmidt-Simatovic (Fachbereich Kinder) überreichten das Präsent der Stadt Neu-Isenburg. Erster Stadtrat Stefan Schmitt ließ seine Grüße ausrichten, da er an diesem Tag gesundheitlich verhindert war. „Es gibt Menschen, die einen Beruf ausüben und es gibt Menschen die ihn prägen. Conny Bünger gehört mit ihrem großen Engagement, ihre Verlässlichkeit und vor allem ihrem Blick für die Kinder zu diesen Menschen. Sie hat Generationen von Kindern begleitet und die Freizeitvilla über Jahrzehnte mitgestaltet. Dafür danken wir ihr von Herzen“, so Erster Stadtrat Stefan Schmitt
Als die gebürtige Rostockerin Conny Bünger 1992 ihre Arbeit im Hort Wilhelmsplatz begann, wurden dort sechzig Kindern zwischen sechs und vierzehn Jahren in drei Familiengruppen betreut. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich ein umfassendes Betreuungsangebot. Immer wieder musste die Räumlichkeit erweitert werden. Es wurden Kisten für Interimsquartiere gepackt - und wieder ausgepackt. Immer wieder wurden die pädagogischen Konzepte an die Anforderungen der Familien, der Kinder und der Schulen angepasst. Immer mit dem Fokus auf das Wohlergehen der Kinder. Heute besuchen über 300 Kinder die Ganztagsbetreuung der Albert-Schweitzer-Schule in der Freizeitvilla – die zur Zeit mal wieder in einem Interimsquartier in der Alten Goetheschule/Brüder-Grimm-Schule untergebracht ist.
1998 übernahm Conny Bünger die stellvertretende Leitung und 2006 die Leitung der Einrichtung. Die erste große Veränderung stand 2002 an, als die hessischen Grundschulen feste Unterrichtszeiten garantierten: 20 Stunden für die Erst- und Zweitklässler, 25 für die Dritt- und Viertklässler. Das bedeutete, dass die Kinder erst mittags in den Hort kamen. Vier Jahre lang, von 2002 bis 2006, begleiteten die Erzieherinnen und Erzieher einmal wöchentlich vormittags den Unterricht in der Albert-Schweitzer-Schule, boten Bewegungsangebote an, übten Lesen, förderten Fein- und Grobmotorik in ihrer Bezugsklasse. Daraus entwickelte sich eine Zusammenarbeit, die später den Ausbau des Ganztagsangebots prägte. 2006 wurde die Albert-Schweitzer-Schule zur Ganztagsschule und aus dem Hort Wilhelmsplatz die Freizeitvilla. Das Team wusste sehr genau, was Kinder brauchen, um einen langen Schultag gut zu bewältigen: einen Wechsel aus Anspannung und Entspannung, Kurse, die sie selbst wählen durften, Erzieherinnen und Erzieher, die mit im Unterricht sind – und keine Hausaufgaben. Das war damals nicht selbstverständlich, aber die Stadt Neu-Isenburg stand hinter dem Konzept der Freizeitvilla. Mit Unterstützung der städtischen Fachberatung wurde das erste Ganztagskonzept entwickelt.
Zwischen 2006 und 2010 wurde das Betreuungsangebot auf 200 Plätze erweitert – und 2013 die Räumlichkeiten der Freizeitvilla mit einem Blockhaus ausgebaut. 2016 evaluierte die Schule ihr Ganztagskonzept. Seitdem werden alle Kinder ganztägig betreut. Das bestehende Konzept wurde auf die steigenden Kinderzahlen angepasst und erweitert.
Mit dem Inkrafttreten des Ganztagsförderungsgesetzes im August 2026 haben alle Schulanfänger einen Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz. „Darauf sind wir in Neu-Isenburg gut vorbereitet. In der Freizeitvilla wird die Ganztagsbetreuung seit vielen Jahren gelebt und kontinuierlich weiterentwickelt“, sagt Erster Stadtrat Stefan Schmitt.
Mit einem sehr persönlichen Rückblick wendete sich Conny Bünger an alle Gäste auf ihrem Abschiedsfest und resümierte: „Ich bin jeden Tag gern zur Arbeit gekommen. Ich habe das große Glück gehabt, einen Beruf zu haben, der mir bis heute Zufriedenheit und Freude bereitet. Das Lachen der Kinder, die vielen Gespräche, ihre tiefsinnigen Fragen, ihre Neugierde auf das Leben, ihre Unvoreingenommenheit im hier und heute, ihre Einzigartigkeit haben jeden meiner Arbeitstage positiv begleitet“. Besonders freue sie, wenn ehemalige Kinder heute von ihrer Zeit in der Freizeitvilla erzählen oder inzwischen ihre eigenen Kinder dort betreut werden. Ihr Dank gelte vor allem ihrer Stellvertreterin, Angela Pogany, die sie 20 Jahre lang zuverlässig und tatkräftig unterstützt hat, den Kolleginnen und Kollegen, der Albert-Schweitzer-Schule, der städtischen Fachberatung, den Eltern und allen, die die Entwicklung der Einrichtung begleitet haben. „Vor allem aber danke ich den vielen Kindern, die ich in 34 Jahren kennenlernen und begleiten durfte. Ohne sie hätte es meine Arbeit, diesen Beruf und auch die Freizeitvilla nicht gegeben.“



