Den größten Augenblick in der Vereinsgeschichte der Spielvereinigung 03 hat der berühmte Frankfurter Pressefotograf und Sportjournalist Herbert Mehrens in faszinierenden Fotos festgehalten. Die Ausstellung „1956 – Neu-Isenburg wird Deutscher Amateurmeister“ mit einer Auswahl bislang unveröffentlichten Fotos aus dem Mehrens-Nachlasse ist seit vergangenem Montag im Rathaus zu sehen. Zur Ausstellungseröffnung begrüßte der Dezernent für Sport, Christian Beck, zahlreiche Ehrengäste, darunter den aktuellen Vorstand der Spielvereinigung Stefano Greco, Erster Vorsitzender, Julian Gulin, Zweiter Vorsitzender und Andreas Hofmann, Finanzvorstand sowie den Ehrenvorsitzenden der Spielvereinigung Günther Marx.
Zahlreiche Gäste, Zeitzeugen und Vereinsvertreter kamen zur Ausstellungseröffnung am 8. Juni. Oben v.l.n.r.: Christian Beck, Jürgen Holzmann (ehem. Vorsitzender), Bürgermeister Dirk Gene Hagelstein, Stefano Greco (Akt. 1. Vorsitzender), Edgar Fischer (Ortsvorsteher Gravenbruch), Erster Stadtrat Stefan Schmitt, Peter Hoffmann (ehem. Aufstiegstrainer und Spieler)
Unten: Herbert Hunkel, Thomas Stein (ehem. Vorsitzender), Günther Marx (Ehrenvorsitzender), Stadtarchivar Andreas Greim, Stadtverordnetenvorsteherin Christine Wagner.
Unter den Gästen waren auch ehemalige Spieler, Vereinsvertreter und Wegbegleiter, die ihre persönlichen Erinnerungen teilten. Als besonderer Ehrengast begrüßte Christian Beck Alt-Bürgerbürgermeister und Ehrenbürger Herbert Hunkel, durch dessen dankenswerte Vermittlung die Schenkung der Herbert-Mehrens-Fotos aus dem Eintracht-Frankfurt-Museum an das Stadtarchiv im August 2025 zustande kam. Herbert Hunkel, der als 11-Jähriger den Triumph der Spielvereinigung miterlebte, war es auch, der das Stadtarchiv bei der Erschließung der Fotos mit seinen Erinnerungen unterstützte.
Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen historische Fotografien und Zeitungsauschnitte. Sie zeigen Gänsehautmomente – beispielsweise als Helmut „King Stamer“ in der 75. Spielminute das entscheidende 3:2 im Olympiastadion schoss oder den triumphalen Empfang der Mannschaft in Neu-Isenburg. 15.000 Menschen, wenn nicht sogar noch weit mehr, fanden sich damals auf der Frankfurter Straße ein und bejubelten „ihre“ Siegerelf.
Live vom Finale berichtete damals der renommierte Münchner Sportjournalist Sammy Drechsel (1925–1986). Während der Übertragung soll er – so wird bis heute erzählt – das damals rund 22.100 Einwohner zählende Neu-Isenburg in einem Nebensatz als „kleines Dorf“ bei Frankfurt bezeichnet haben. Die Empörung über diesen Fauxpas war in Neu-Isenburg groß. Als die Siegermannschaft der Spvgg. 03 Neu-Isenburg am 25. Juni 1956 unter frenetischem Jubel empfangen wurde, trugen die Fans ein Banner mit folgendem Spottvers durch die Stadt (man beachte, dass der Name Drechsel mit „x“ geschrieben wurde):
„Sammy Drexel fasst es kaum,
dass für Speldorf aus der Traum.
Seine Worte drangen nicht durch,
Meister wurde Neu-Isenburg.“
Dass sich zahlreiche Menschen noch heute an dieses Banner mit dem Spottvers erinnern, verdeutlicht den hohen Stellenwert, den dieses Sportereignis im kollektiven Gedächtnis der Stadt einnimmt. Zugleich zeigt sich darin auch die große Bedeutung, die der Fußball in den 1950er-Jahren für Neu-Isenburg besaß und immer noch hat.
Ohne die Arbeit des Fotografen Herbert Mehrens, der nicht nur das internationale, Sportgeschehen fotografisch dokumentierte, sondern über Jahrzehnte auch das regionale stets im Blick behielt, würden solche unschätzbar wertvollen Momente der Stadtgeschichte mit der Zeit dem Vergessen anheimfallen. Die Ausstellung ist daher nicht nur den Spielern der Siegermannschaft gewidmet, sondern auch Herbert Mehrens.
Die Fotos wurden von Matthias Thoma, dem Leiter des Eintracht-Museums, an den Ehrenvorsitzenden des Vereins für Geschichte, Heimatpflege und Kultur Neu-Isenburg (GHK) Herbert Hunkel, Bürgermeister a.D. und Ehrenbürger, weitergegeben, mit der Bitte, diese zu betexten. Herbert Hunkel, der den Triumphzug als Elfjähriger selbst miterlebt hat, konnte alle Fotos zuordnen und mit den Namen der Akteure beschriften. Ergänzt wird die Ausstellung durch weitere historische Bild- und Textdokumente.
Die Ausstellung ist zu den Öffnungszeiten des Rathauses, Hugenottenallee 53, im Foyer, noch bis zum 31. Juli 2026 zu besichtigen. Der Eintritt ist frei.
Über den Fotografen und die Sammlung
Herbert Mehrens (29. Oktober 1926 – 16. Dezember 2023) begann seine fotografische Arbeit bereits 1946 und war bis etwa 2002 zusammen mit seiner Tochter Jutta aktiv.
Mehrens arbeitete eng mit der Frankfurter Rundschau zusammen. Sein Werk umfasst mehr als 400.000 Fotos, die ein breites Spektrum abdecken: von lokalen Wettkämpfen (z. B. Ruderregatten, Boxkämpfe, Radrennen, Kegeln) bis zu internationalen sportlichen Großereignissen. Besonders verbunden war er mit Eintracht Frankfurt und dem regionalen Fußball. Er fotografierte viele unvergessenen Momente im Waldstadion, u. a. den ersten Bundesligasieg der Eintracht 1963 und die Deutsche Meisterschaft 1960, als der HSV mit Uwe Seeler den 1. FC Köln mit 3:2 besiegte. Sein fotografisches Portfolio umfasste weitere Höhepunkte wie Fotos von der Fußball-Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz (u. a. Sepp Herberger, Frankfurter Spieler wie Alfred Pfaff) und dem Amateurmeisterschafts-Triumph der Spielvereinigung Neu-Isenburg 03 im Jahr 1956 im Berliner Olympiastadion.
Seine Tochter Jutta Mehrens (5. August 1946 – 31. Juli 2023) lernte das Handwerk vom Vater und war selbst eine renommierte Sportfotografin. Sie begleitete ihren Vater bei vielen Einsätzen und war selbst bei lokalen und überregionalen Sports-Events präsent. Sie starb kurz vor ihrem 77. Geburtstag.
Die Namen Herbert und Jutta Mehrens stehen für eine Ära in der analogen Sportfotografie, in der Fotos noch im heimischen Labor entwickelt und schnell in Redaktionen geliefert werden mussten. Das Werk von Vater und Tochter bildet eine wichtige visuelle Chronik des Frankfurter und regionalen Sports der Nachkriegszeit bis ins frühe 21. Jahrhundert. Beide dokumentierten über Jahrzehnte das Sportgeschehen in der Region. Ihr gemeinsamer Nachlass umfasst mehr als 400.000 Aufnahmen.
Im Rahmen der Übergabe des Nachlasses an das Eintracht Frankfurt Museum und das Institut für Stadtgeschichte Frankfurt im Jahr 2023 wurden 149 Fotos speziell zur Spielvereinigung (SpVgg) 03 identifiziert. Diese Fotografien wurden im August 2025 dank der Vermittlung von Bürgermeister a.D. und Ehrenbürger Herbert Hunkel vom Eintracht-Museum in einer Schenkung an das Stadtarchiv Neu-Isenburg übergeben.





