Als Waisen- und Armenpflegerin der Stadt Frankfurt wird Bertha Pappenheim mit dem Elend unverheirateter jüdischer Mütter konfrontiert. Viele der mittellosen jungen Frauen wurden von ihren Familien verstoßen. Sie werden häufig Opfer skrupelloser Mädchenhändler oder entscheiden sich aus materieller Not für die Prostitution. Ihre Kinder verwahrlosen oder wachsen in Waisenhäusern auf. Bertha Pappenheim will diesen jungen Jüdinnen ein neues Zuhause schaffen, sie erziehen und ausbilden, um sie auf ein eigenständiges Leben vorzubereiten.
1906 stellt Bertha Pappenheim ihre Idee eines Schutz- und Erziehungsheims der Öffentlichkeit vor. Die Reaktionen sind überwiegend negativ. Den Versuch, »gefallenen Mädchen« und ihren Kindern zu helfen, setzen viele mit einer Förderung der Prostitution gleich. Dennoch kann Bertha Pappenheim ihr Vorhaben 1907 in Neu-Isenburg verwirklichen. Die Gründung des Heims wird vor allem durch Spenden aus dem Frankfurter jüdischen Bürgertum finanziert. Louise Goldschmidt, eine Verwandte Bertha Pappenheims und Mäzenin zahlreicher Stiftungen in Frankfurt, stellt das erste Haus zur Verfügung. Finanzielle Zuwendungen kommen u. a. von Charles Hallgarten, den Familien Goldschmidt und Rothschild.
Das Heim »Isenburg« wird am 25. November 1907 eröffnet. Unter Bertha Pappenheims Führung erhält es eine fachkundige Leitung und Verwaltung. Träger ist der Jüdische Frauenbund (JFB), dessen Vorsitzende Bertha Pappenheim lange Jahre ist. Die Geschäftsführung obliegt der Heimkommission. Bertha Pappenheim gründet außerdem den gemeinnützigen Förderverein »Heim des Jüdischen Frauenbundes«. Zum Unterhalt der Einrichtung tragen Mitgliedsbeiträge, Pflegegelder, Spenden etc. und die Erträge phantasievoll gestalteter Verkaufsaktionen und Veranstaltungen bei.
Die Texte wurden im Auftrag der Stadt Neu-Isenburg erarbeitet von Dr. Heidi Fogel und Noemi Staszewski, Neu-Isenburg.
Der AudioGuide entstand mit freundlicher Unterstützung von Prof. Dr. Dr. Rüdiger Marmulla.

