Stadt Neu Isenburg

Bertha Pappenheim

Idee und Gründung des Heims „Isenburg“

Als Waisen- und Armenpflegerin der Stadt Frankfurt wird Bertha Pappenheim mit dem Elend unverheirateter jüdischer Mütter konfrontiert. Viele der mittellosen jungen Frauen wurden von ihren Familien verstoßen. Sie werden häufig Opfer skrupelloser Mädchenhändler oder entscheiden sich aus materieller Not für die Prostitution. Ihre Kinder verwahrlosen oder wachsen in Waisenhäusern auf. Bertha Pappenheim will diesen jungen Jüdinnen ein neues Zuhause schaffen, sie erziehen und ausbilden, um sie auf ein eigenständiges Leben vorzubereiten.

Frontalansicht von der Straße aus auf das Haus 1. Teile des Hauses sind in Fachwerk gehalten. Die unteren Fenster sind alle vergittert. Das Haus hat eine hohe, geziegelte Mauer als Abgrenzung zur Straße. Im rechten Teil ist ein offenes Tor zu sehen. Im Tor steht eine voll bepackte Frau. Neben ihr steht ein Mann mit Schirmmütze und Uniform mit Umhängetasche. Er ist der Frau zugewandt. Auf der Straße vor dem Eingang steht ein Fahrrad an dem Päckchen hängen.
Haus I in der Taunusstraße.

1906 stellt Bertha Pappenheim ihre Idee eines Schutz- und Erziehungsheims der Öffentlichkeit vor. Die Reaktionen sind überwiegend negativ. Den Versuch, »gefallenen Mädchen« und ihren Kindern zu helfen, setzen viele mit einer Förderung der Prostitution gleich. Dennoch kann Bertha Pappenheim ihr Vorhaben 1907 in Neu-Isenburg verwirklichen. Die Gründung des Heims wird vor allem durch Spenden aus dem Frankfurter jüdischen Bürgertum finanziert. Louise Goldschmidt, eine Verwandte Bertha Pappenheims und Mäzenin zahlreicher Stiftungen in Frankfurt, stellt das erste Haus zur Verfügung. Finanzielle Zuwendungen kommen u. a. von Charles Hallgarten, den Familien Goldschmidt und Rothschild.

Das Bild zeigt die rückwärtige Seite mit Hinterhof des Haus 1. In der Mitte des Bildes geht eine breite Treppe mit 5 Stufen auf eine überdachte Terrasse. Links und rechts von der Treppe stehen zwei mittelgroße Bäume. Im linken Teil der Terrasse ist ein Wintergarten vorhanden. Zwei Frauen stehen auf unterschiedlichen Ebenen auf der linken Seite der Treppe angelehnt an das Geländer. Eine Frau sitzt daneben auf einer Stufe. Die Blicke der drei Frauen ist in die Ferne gerichtet.
Auf der Terrasse von Haus I.

Das Heim »Isenburg« wird am 25. November 1907 eröffnet. Unter Bertha Pappenheims Führung erhält es eine fachkundige Leitung und Verwaltung. Träger ist der Jüdische Frauenbund (JFB), dessen Vorsitzende Bertha Pappenheim lange Jahre ist. Die Geschäftsführung obliegt der Heimkommission. Bertha Pappenheim gründet außerdem den gemeinnützigen Förderverein »Heim des Jüdischen Frauenbundes«. Zum Unterhalt der Einrichtung tragen Mitgliedsbeiträge, Pflegegelder, Spenden etc. und die Erträge phantasievoll gestalteter Verkaufsaktionen und Veranstaltungen bei.


Die Texte wurden im Auftrag der Stadt Neu-Isenburg erarbeitet von Dr. Heidi Fogel und Noemi Staszewski, Neu-Isenburg.

Der AudioGuide entstand mit freundlicher Unterstützung von Prof. Dr. Dr. Rüdiger Marmulla.

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