Stadt Neu Isenburg

Bertha Pappenheim

Die Institutionen des Jüdischen Frauenbundes

Ein stilisierter Baum in der Mitte mit langen Ästen auf beiden Seiten und davon abgehende Blätter. An der Spitze zwei Blätter mit der Inschrift: Jüdischer Frauenbund, gegründet 1904 durch bertha Pappenheim. Auf den Ästen und Blättern stehen die einzelnen Aufgabengebiete. Für Alte und Kranke: Erholungsbeihilfen, Kinderheim in Wyk, Erholungsheime, Mittelstandsführsorge, Altenheime. Jugendführsorge und Jugendpflege: Erziehungsheim in Isenburg, Nachgehende Fürsorge, Adoptions- und Pflegestellen Zentrale, Gefährdetenfürsorge, Bahnhofshilfe, Mädchenclubs und -heime. Mutter und Kindschutz: Mütter-Beratung und -Hilfe, Säuglingspflege, Wöchnerinnen- und Säuglingsheim in Isenburg, Kinderheime und Horte. Charikative Arbeit in den jüdischen Gemeinden: Hauspflege, Lebensmittelverteilung, Speisungen, Krankenpflege, Letzte Liebesdienste an Toten, Kleiderkammern. Mitarbeit in den jüdischen Gemeinden: Gemeindewahlrecht, Mitarbeit in den sozialen Spitzenverbänden, Mitarbeit in der Reichsvertretung der deutschen Juden, Bestrebungen zur Verbesserung der Rechtsstellung der jüdischen Frau. Die Frau im Beruf: Arbeitsvermittlung, Haushaltungsschulen, Praktische Ausbildung in Heimen und Haushaltungen, Gruppen für berufstätige Frauen, Hausfrauengruppen, Hauspflege, Kochbuch der jüdischen Frau. Erziehungsarbeit: Pflege des Familienlebens, Mütterschulung, Mitarbeit am jüdischen Schulwerk, Führung von Kinderheimen. Geistig kulturelle Arbeit: Teilnahme an der Frauenbewegung, Jüdische Bildungsarbeit in Arbeitsgemeinschaften und Kursen, Einwirkung auf die Haltung der Frau, Schriften zur Einführung in die jüdische Geisteswelt, Monatsschrift Blätter des Jüdischen Frauenbudes, Kampf gegen Unsittlichkeit, Herausgabe eines Jahreskalenders.
1934 werden in den »Blättern des Jüdischen Frauenbundes« die Arbeitsbereiche des Vereins als Baum dargestellt.

Als Ideal weiblicher Berufstätigkeit propagiert der JFB soziale und hauswirtschaftliche Arbeit. Um in einer von Männern dominierten Gesellschaft das Eintreten für uneheliche Kinder, unverheiratete Mütter, Schutz und Ausbildung von Mädchen zu rechtfertigen, stellt sich der JFB als Hüter weiblicher Sittlichkeit, Mütterlichkeit und Familie dar.

Nach Frankfurter Vorbild werden in anderen deutschen Städten Mädchenclubs sowie Stellenvermittlungen eingerichtet. Es entstehen Wohnheime bzw. Zimmervermittlungsstellen. Auf Bahnhöfen und in Häfen werden Büros der Bahnhofshilfe geschaffen, die allein reisenden Mädchen u. a. Verpflegung, Unterkunft sowie finanzielle Hilfe anbieten. Sie arbeiten eng mit den christlichen Bahnhofsmissionen zusammen. Frühehe-Kassen sorgen dafür, Alleinstehenden oder aus armen Verhältnissen stammenden Mädchen die Heirat zu ermöglichen. Neben dem Heim in Neu-Isenburg unterhält der JFB auch ein Erholungsheim für tuberkulosekranke Kinder in Wyk auf Föhr. Es entstehen Adoptionsvermittlungs- und Rechtsberatungsstellen für Frauen. Die Haushaltungsschulen bilden Hauspersonal aus, bieten Aufbaukurse für Erzieherinnen und Sozialarbeiterinnen an und vermitteln Praktikumsplätze für Krankenpflegerinnen.

Bild einer Sonderbrefmarke mit dem Wert 40 Pfennig plus 10 Pfennig Sonderwert. Die Briefmarke ist im Original blau mit weißem Rand. In der Mitte ist das Profil von Bertha Pappenheims Kopf als Strichzeichnung zu sehen. Am Rand der Briefmarke befindet sich Text: Link: Bertha Pappenheim. Oben: 40+10 Deutsche. Recht: Helfer der Menschheit. Unten: Bundespost.
Angeregt durch die "Zentrale Wohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland" (ZWST) gibt die Deutsche Bundespost 1954 eine Sondermarke zum Gedenken an Bertha Pappenheim heraus.

Im Verlauf des Ersten Weltkrieges werden die sozialen Aufgaben der jüdischen Vereine und Institutionen immer komplexer. 1916 ruft Bertha Pappenheim in ihrem Artikel »Wehe dem, dessen Gewissen schläft« zur Zentralisierung der Armenpflege auf. Ein Jahr später wird die »Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden« gegründet. Der JFB ist Gründungsmitglied.

Um den sozialen Ursachen des Mädchenhandels, vor allem unter der jüdischen Bevölkerung Osteuropas, entgegenzuwirken, werden dort Kindergärten, Krankenhäuser und ab 1927 auch die Beth-Jacob-Schulen für Mädchen in Polen finanziell unterstützt. Ausgebildete Erzieherinnen und Krankenpflegerinnen werden auf Kosten des JFB in diese Einrichtungen entsandt.


Die Texte wurden im Auftrag der Stadt Neu-Isenburg erarbeitet von Dr. Heidi Fogel und Noemi Staszewski, Neu-Isenburg.

Der AudioGuide entstand mit freundlicher Unterstützung von Prof. Dr. Dr. Rüdiger Marmulla.

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