Als Ideal weiblicher Berufstätigkeit propagiert der JFB soziale und hauswirtschaftliche Arbeit. Um in einer von Männern dominierten Gesellschaft das Eintreten für uneheliche Kinder, unverheiratete Mütter, Schutz und Ausbildung von Mädchen zu rechtfertigen, stellt sich der JFB als Hüter weiblicher Sittlichkeit, Mütterlichkeit und Familie dar.
Nach Frankfurter Vorbild werden in anderen deutschen Städten Mädchenclubs sowie Stellenvermittlungen eingerichtet. Es entstehen Wohnheime bzw. Zimmervermittlungsstellen. Auf Bahnhöfen und in Häfen werden Büros der Bahnhofshilfe geschaffen, die allein reisenden Mädchen u. a. Verpflegung, Unterkunft sowie finanzielle Hilfe anbieten. Sie arbeiten eng mit den christlichen Bahnhofsmissionen zusammen. Frühehe-Kassen sorgen dafür, Alleinstehenden oder aus armen Verhältnissen stammenden Mädchen die Heirat zu ermöglichen. Neben dem Heim in Neu-Isenburg unterhält der JFB auch ein Erholungsheim für tuberkulosekranke Kinder in Wyk auf Föhr. Es entstehen Adoptionsvermittlungs- und Rechtsberatungsstellen für Frauen. Die Haushaltungsschulen bilden Hauspersonal aus, bieten Aufbaukurse für Erzieherinnen und Sozialarbeiterinnen an und vermitteln Praktikumsplätze für Krankenpflegerinnen.
Im Verlauf des Ersten Weltkrieges werden die sozialen Aufgaben der jüdischen Vereine und Institutionen immer komplexer. 1916 ruft Bertha Pappenheim in ihrem Artikel »Wehe dem, dessen Gewissen schläft« zur Zentralisierung der Armenpflege auf. Ein Jahr später wird die »Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden« gegründet. Der JFB ist Gründungsmitglied.
Um den sozialen Ursachen des Mädchenhandels, vor allem unter der jüdischen Bevölkerung Osteuropas, entgegenzuwirken, werden dort Kindergärten, Krankenhäuser und ab 1927 auch die Beth-Jacob-Schulen für Mädchen in Polen finanziell unterstützt. Ausgebildete Erzieherinnen und Krankenpflegerinnen werden auf Kosten des JFB in diese Einrichtungen entsandt.
Die Texte wurden im Auftrag der Stadt Neu-Isenburg erarbeitet von Dr. Heidi Fogel und Noemi Staszewski, Neu-Isenburg.
Der AudioGuide entstand mit freundlicher Unterstützung von Prof. Dr. Dr. Rüdiger Marmulla.

