Stadt Neu Isenburg

Bertha Pappenheim

Der Jüdische Frauenbund

Die wachsenden Aufgaben, die sich vor allem aus dem Kampf gegen den Mädchenhandel ergeben, überfordern den lokal begrenzten »Verein für weibliche Fürsorge« zunehmend. Bertha Pappenheim nimmt deshalb Kontakt zu anderen Frauenvereinen, z. B. in Hamburg, auf, wo bereits seit 1885 ein Komitee zum Thema Mädchenhandel besteht.

Auf dem Internationalen Frauenkongress 1904 in Berlin wird auf Bertha Pappenheims Vorschlag hin der »Jüdische Frauenbund von Deutschland (JFB)« gegründet, dessen erste Vorsitzende Bertha Pappenheim wird. Sidonie Werner aus Hamburg wird ihre Stellvertreterin und Henriette May aus Berlin Schriftführerin.

Ziele des Jüdischen Frauenbundes sind:

  • soziale Hilfstätigkeit sowie die Koordination der Arbeit der verschiedenen lokalen Hilfs- und Wohltätigkeitsvereine,
  • Kampf gegen den Mädchenhandel,
  • Förderung des Erwerbslebens jüdischer Frauen und Mädchen,
  • Verbesserung der weiblichen Bildung und Berufsausbildung.
Bertha Pappenheim und Hannah Karminski schlendern durch einen Biergarten und unterhalten sich.
Bertha Pappenheim und Hannah Karminski auf der Tagung des JFB in Dürkheim 1930. Hauptthema ist die Änderung des § 218 des Strafgesetzbuches.

Der JFB ist demokratisch organisiert. Bereits 1905 gehören ihm 72 lokale Verbände an. 1928 vertritt er 430 Ortsvereine mit 50.000 Mitgliedern. Ihm sind bereits mehr als 20 % der erwachsenen jüdischen Frauen in Deutschland angeschlossen, überwiegend verheiratete Mittelstandsfrauen.

Als einzige konfessionelle Frauenorganisation ist der JFB Mitglied im Bund Deutscher Frauenvereine, in dessen Vorstand Bertha Pappenheim ebenfalls vertreten ist. Die feministischen Forderungen des JFB nach Gleichberechtigung, gleichem Lohn für gleiche Arbeit, gleicher Sexualmoral für Männer und Frauen und Frauenwahlrecht decken sich mit den Zielen dieser Organisation.

»Nicht unwichtig fand ich das Suchen und Finden von Menschen, die man mit seinem Willen infiziert und die man durch ganz stille, oft unbemerkbare Erziehungsarbeit zu Helfern geeignet macht.« (BERTHA PAPPENHEIM)


Die Texte wurden im Auftrag der Stadt Neu-Isenburg erarbeitet von Dr. Heidi Fogel und Noemi Staszewski, Neu-Isenburg.

Der AudioGuide entstand mit freundlicher Unterstützung von Prof. Dr. Dr. Rüdiger Marmulla.

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