Bertha Pappenheims schriftstellerische Arbeiten umfassen:
- Erzählungen, Theaterstücke und Aphorismen,
- gesellschaftspolitische und pädagogische Texte,
- Übersetzungen traditionellen jüdischen Schriftguts.
Die inhaltlichen Schwerpunkte sind zugleich die zentralen Anliegen in Bertha Pappenheims Lebenswerk:
- die rechtliche und soziale Stellung der jüdischen Frau,
- die Wahrung der jüdischen Tradition.
Die ersten literarischen Arbeiten, ab 1888 veröffentlicht, sind Märchen für Kinder. Später schreibt Bertha Pappenheim auch für Erwachsene Erzählungen und Theaterstücke – u. a. »Tragische Momente« (1913) und »Kämpfe« (1916). Darin verarbeitet sie zeitgenössische Probleme des jüdischen Lebens, wie die Rolle der Frau im Judentum, Konversion, Antisemitismus und Zionismus.
Um die Jahrhundertwende publiziert Bertha Pappenheim ihre ersten feministischen Schriften unter dem Pseudonym P. Berthold. In Briefen, Artikeln und Aufsätzen kämpft sie für Frauenbildung und rechtliche Gleichstellung. Ihr besonderes Engagement gilt dem Kampf gegen die sexuelle Ausbeutung osteuropäischer jüdischer Mädchen. 1904 veröffentlicht sie mit Dr. Sara Rabinowitsch den Reisebericht »Zur Lage der jüdischen Bevölkerung in Galizien«. Darin beschreibt sie die mangelnde Bildung der galizischen Jüdinnen als Ursache des Mädchenhandels. 1924 und 1929 erscheinen unter dem Titel »Sisyphus-Arbeit« in zwei Bänden Briefe zum Mädchenhandel und zum Kinderschutz.
Mit der Übertragung frühneuzeitlicher jüdischer Literatur ins Deutsche will Bertha Pappenheim ihre Leserinnen in der jüdischen Kultur verwurzeln. 1910 gibt sie die »Memoiren der Glückel von Hameln« heraus. Bertha Pappenheim charakterisiert Glückel (1645 – 1724) als eine Frau, die »durch ungewöhnliche Geistesgaben hervorragte, die treu war ihrem Glauben, treu ihrem Volke, treu ihrer Familie und treu sich selbst«. Glückel wird ihr zum Vorbild für das eigene Leben und Werk. Die Übersetzungen des »Maasse-Buches« (1929), einer Sammlung von Erzählungen und Legenden, sowie der volkstümlichen Frauenbibel »Zeenah-U-Reenah« beschließen Bertha Pappenheims schriftstellerisches Werk. Posthum werden die »Aphorismen«, »Denkzettel« und »Gebete« veröffentlicht.
Die Texte wurden im Auftrag der Stadt Neu-Isenburg erarbeitet von Dr. Heidi Fogel und Noemi Staszewski, Neu-Isenburg.
Der AudioGuide entstand mit freundlicher Unterstützung von Prof. Dr. Dr. Rüdiger Marmulla.
