Bertha Pappenheim formuliert den Gründungs- und Leitgedanken des Heimes: »Schutz den Schutzbedürftigen und Erziehung den Erziehungsbedürftigen«. Ziel des Heimaufenthalts ist es, die Mädchen zu befähigen, ihre Pflichten als Frauen in der jüdischen Gemeinschaft und der jüdischen Familie verantwortlich zu erfüllen.
Die wichtigsten Erziehungsmittel sind für Bertha Pappenheim:
- die Arbeit als Voraussetzung für ein geordnetes, selbstständiges Leben,
- das Kind als Mittel der Erziehung zu Liebe und Verantwortung,
- die Religion als Quelle ethischer Orientierung und Mittel zur Identifikation.
»Im Innersten bin ich stolz darauf, dass doch einige meiner »Kinder« an Stellen stehen, wo sie fortführen können, was ich vor Jahren angefangen habe: sozialerzieherisch zu wirken und die Arbeit als Inhalt ihres Lebens zu empfinden.« (BERTHA PAPPENHEIM, 1926)
Das Heim soll den Schützlingen das Familienleben ersetzen, eine für die damalige Zeit revolutionäre pädagogische Idee. Alles Anstaltsmäßige wird vermieden. Die Bewohnerinnen tragen keine Uniformen. Die Mütter leben mit ihren Kindern zusammen und lernen unter Aufsicht, diese zu versorgen und einen jüdischen Haushalt zu führen. Die elternlosen Kinder leben in familienähnlichen Wohngruppen.
»Das Heim des J.F.B. sollte […] kein steinernes Denkmal einer Stiftung [sein] mit Aufschriften, Votivtafeln, Korridoren, Schlaf- und Ess-Sälen, mit Karzer und Zellen und einer dominierenden Direktorsfamilie, sondern, wenn auch immer Surrogat der einzig wünschenswerten guten Familienerziehung, ein Heim. Eine Heimat […] für jene schutz- und erziehungsbedürftigen Kinder und Jugendlichen, denen der moralische Lebensodem auszugehen droht […]« (BERTHA PAPPENHEIM, 1926)
Die Texte wurden im Auftrag der Stadt Neu-Isenburg erarbeitet von Dr. Heidi Fogel und Noemi Staszewski, Neu-Isenburg.
Der AudioGuide entstand mit freundlicher Unterstützung von Prof. Dr. Dr. Rüdiger Marmulla.
