»Unter Helfen verstehe ich natürlich keine Hilfe im Sinne von Wohltätigkeit, sondern verstehe darunter Schutz, Rat, Förderung und das Zugeständnis aller rechtlichen und politischen Mittel, deren jeder Mensch, Mann oder Frau, zur Aufrechterhaltung seiner physischen und sittlichen Existenz bedarf.« (BERTHA PAPPENHEIM, 1901)
Bertha Pappenheim initiiert in den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zahlreiche soziale Institutionen. 1902 richtet sie einen Mädchenclub mit einer umfangreichen Bibliothek ein. Für berufstätige und alleinstehende junge Frauen werden Fortbildungskurse und gesellige Abende veranstaltet. Die Israelitische Haushaltungsschule bietet zum Selbstkostenpreis koschere Mahlzeiten an. Es entsteht auch ein Büro zur Stellenvermittlung.
Die steigende Zahl jüdischer Prostituierter aus Osteuropa um die Jahrhundertwende macht Bertha Pappenheim mit den Problemen des Mädchenhandels vertraut. Mit Dr. Sara Rabinowitsch reist sie 1903 nach Galizien, um sich dort über die Lebensbedingungen der jüdisch-orthodoxen Bevölkerung zu informieren. Sie begreift im Gegensatz zu vielen anderen Frauen ihres Standes, dass die meisten »gefallenen Mädchen« aufgrund ihrer sozialen Situation zu Prostituierten geworden sind. Sie fordert, den Frauen zu helfen, diesem Milieu zu entkommen.
Der Verein für weibliche Fürsorge übernimmt die Betreuung von Einzelfällen und Familien und koordiniert die Ausbildung der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen. Kommissionen zur Verbesserung der Betreuung und Ernährung von Säuglingen werden gegründet, Milchküchen eingerichtet. Eine Kinderkostkommission vermittelt Pflegestellen für kränkliche Kinder in jüdische Landfamilien und Übernimmt teilweise die Kosten.
Die Texte wurden im Auftrag der Stadt Neu-Isenburg erarbeitet von Dr. Heidi Fogel und Noemi Staszewski, Neu-Isenburg.
Der AudioGuide entstand mit freundlicher Unterstützung von Prof. Dr. Dr. Rüdiger Marmulla.
