In der Seminar- und Gedenkstätte Bertha Pappenheim wurde im Laufe der Zeit eine beachtliche Anzahl an Büchern gesammelt. Insgesamt sind es um die 350 Stück, dazu einige DVDs sowie CDs. Die Themen reichen von Werken von und zu Bertha Pappenheim über Frauenpolitisches, von Antisemitismus bis hin zu jüdischem Leben. Auch Bücher zu vergangenen Veranstaltungen haben dort einen Platz gefunden.
„Einem Haus eine Bibliothek hinzuzufügen heißt, dem Haus eine Seele zu geben“. Ganz nach dem römischen Philosophen, Schriftsteller und Politiker Marcus Tullius Cicero (106 – 43 v. Chr.) war von Beginn an eine „Leseecke mit Handbibliothek“ für das Bertha-Pappenheim-Haus geplant und in dem Konzept enthalten, welches die Bertha-Pappenheim-Initiative in den 1990ern erarbeitete.
Bisher gab es bereits die Möglichkeit, die Bücher im Haus auszuleihen, jedoch war es bislang nicht möglich, öffentlich den Bestand einzusehen. Lediglich vor Ort konnte man sich einen Überblick verschaffen.
Doch jetzt lassen sich die Titel endlich online recherchieren. In enger Kooperation mit der Stadtbibliothek werden die Titel nach und nach in deren Online-Katalog eingepflegt. Dass sie zur Gedenkstätten-Bibliothek gehören, ist im Katalog anhand der Standort-Bezeichnung „Bertha-Pappenheim-Haus“ erkenntlich. Somit fällt auch die Unterscheidung zum kleinen Bestand an Bertha-Pappenheim-Büchern in den Regalen der Stadtbibliothek leicht.
Die Idee dazu entstand bereits 2021, die Umsetzung konnte nun Anfang des Jahres beginnen. Bearbeitet wird das Projekt von der FSJlerin der Gedenkstätte, die Abkürzung FSJ steht für Freiwilliges Soziales Jahr. Aktuell sind bereits 50 Bücher verzeichnet.
Für die Ausleihe müssen sich die Interessierten jedoch weiterhin an die Seminar- und Gedenkstätte wenden. Einige der älteren Exemplare sind auch zukünftig nur vor Ort einsehbar, andere kann man bis zu vier Wochen ausleihen. „Wir erhoffen uns dadurch, mehr Menschen auf unser Bücherangebot aufmerksam zu machen und mehr Lesende für unsere Themen zu gewinnen“, so Anna Held, die Leiterin der Seminar- und Gedenkstätte.
Auch in Bertha Pappenheims Leben spielten Bücher und Literatur eine große Rolle. Sie selbst war Autorin von Märchen, Erzählungen, Gedichten und vielem mehr. Gleichzeitig wurde sie als Übersetzerin aktiv, beispielsweis übersetzte sie 1899 Mary Wollstonecrafts „A Vindication of the Rights of Women“ aus dem Englischen und „Memoiren der Glückel von Hameln“ (1910), das „Maasse-Buch“ (1929) sowie die volkstümliche Frauenbibel „Zeenah-U-Reenah“ (1930) aus dem Jiddischen. Einige ihrer Werke lassen sich in der Bibliothek der Gedenkstätte finden. Bereits 1902 richtete sie einen Mädchenclub in Frankfurt ein, der eine umfangreiche Bibliothek besaß und Mädchen den ungehinderten Zugang zu Büchern ermöglichen sollte.
Gleichzeitig bedeutete ein Zugang zu vielen Büchern für sie nicht auch automatisch eine gute Bildung. So schrieb sie 1934 an Hannah Kaminski: „Ich glaube nicht, dass Leute, die viele Bücher haben und gelesen haben, gescheiter sind als die Anderen, ich glaube auch nicht, dass sie besser sind, als die Anderen.“ (Quelle: Konz, Britta: Bertha Pappenheim (1859-1936). Ein Leben für die jüdische Tradition und weibliche Emanzipation, Frankfurt a. M. 2005, S. 164.)
Kontakt:
Seminar- und Gedenkstätte Bertha Pappenheim (Öffnet in einem neuen Tab)
Öffnungszeiten:
1. & 3. Sonntag im Monat von 11:00 bis 14:00 Uhr, das Team freut sich auch über Termine nach Vereinbarung außerhalb der Öffnungszeiten




