Frauen haben Neu-Isenburg mitgeprägt, als Politikerinnen, Sportlerinnen oder durch ihr gesellschaftliches Engagement. Im Stadtquartier Süd/Neue Welt werden ihre Leistungen auch dauerhaft im Stadtbild sichtbar.
An insgesamt sechs Frauen wird im Stadtquartier Süd/Neue Welt erinnert:
- Frau Elise Streb, Neu-Isenburgerin und Mitorganisatorin des ersten Frauenstreiks in Deutschland
- Frau Franziska Schorch, Neu-Isenburgerin, Gemeinderätin und Abgeordnete
- Frau Hanni Hoppner-Schranz, Neu-Isenburgerin, Deutsche Meisterin im Vierkampf
- Frau Marie Curie, Physikerin und Chemikerin, zweifache Nobelpreisträgerin
- Frau Helene Weber, deutsche Politikerin, eine der vier „Mütter des Grundgesetzes“ und
- Frau Margarete Müller, Neu-Isenburgerin, von 1913 bis 1958 beeidigte Hebamme in Neu-Isenburg (Kita)
Grundlage der Benennung im Stadtquartier Süd/Neue Welt war ein Stadtverordnetenbeschluss aus dem Jahr 2020.
Darüber hinaus erinnern in Neu-Isenburg der Bertha-Pappenheim-Platz, das Bertha-Pappenheim-Haus, die Mathilde-Rösch-Straße, die Anny-Schlemm-Straße, die Luisenstraße, die Alicestraße, die Dorotheastraße und der Erika-Kimpel-Weg an bedeutende Frauen der (Stadt-)-Geschichte.
Insgesamt gibt es in Neu-Isenburg 224 Straßenbezeichnungen, 65 sind männlich und 9 weiblich.
Über die berühmten Namenspatinnen:
Margareta Müller – von 1913 bis 1958 beeidigte Hebamme in Neu-Isenburg – *5. Oktober 1887 in Egelsbach † 24. Juni 1965 in Neu-Isenburg
Als junge Mutter absolviert Margareta Müller 1912/1913 an der Großherzoglichen Hebammen Lehranstalt ihre Ausbildung: drei Monate Theorie und ein Vierteljahr Praxis - 99 Geburten in Mainz und Umgebung. 575 Mark und 5 Pfennige hat sie die Ausbildung gekostet. Wie sich bald zeigt eine lohnende Investition. Am 1. April 1913 tritt Margareta Müller ihren Dienst an. 45 Jahre ist sie in Neu-Isenburg als beeidigte Hebamme tätig, leistet in 2800 Fällen Geburtshilfe und berät Mütter im Auftrag des Kreisgesundheitsamtes. Täglich legt die Hebamme Müller mit Schürze und Koffer viele Kilometer auf dem Fahrrad zurück. Angehörige von Gebärenden folgen ihr. Ausgangspunkt ist eine kleine Schiefertafel an ihrer Haustüre. Dort vermerkt sie ihr erstes Ziel des Tages. Über mangelnde Wertschätzung kann sich die Hebamme nicht beschweren. Zu ihrer öffentlichen Verabschiedung am 26. März 1958 kommen zahlreiche Ehrengäste ins Stadthaus bedanken sich, loben ihre „immerwährende Hilfsbereitschaft“ und würdigen ihr berufliches Können. Aber Margareta Müller hat nur einen Wunsch, und den kann ihr niemand erfüllen: Sie möchte weiter als Hebamme arbeiten. Stadtrat Ochs bringt es auf den Punkt: das Gesetz zwinge sie jetzt in den Ruhestand zu treten.
Hanni Hoppner-Schranz – Deutsche Meisterin im Vierkampf * – 21. Januar 1929 † 06. Februar 2009
Ihre Eltern betrieben in Neu-Isenburg in der Kirchstraße das Sportgeschäft Hoppner. Die junge Hanni begann ihre sportliche Karriere im TV 1861 Neu-Isenburg und zählte dort bald zu den herausragenden Leichtathletinnen. Sie gewann achtmal hintereinander in verschiedenen Altersklassen das Feldberg Turnfest, eine Siegesserie, die bis dahin noch nie erreicht wurde. Ein großes Jahr war für Hanni Hoppner-Schranz (inzwischen mit Otto Schranz verheiratet) 1950. Am 2. September gründete sich in Tübingen der Deutsche Turnerbund für die Bundesrepublik Deutschland. Aus gegebenem Anlass wurden am 2. und 3. September 1950 in Tübingen Deutsche Turnmeisterschaften des Deutschen Turnerbundes ausgetragen. Siegerin im Vierkampf, der aus rein leichtathletischen Disziplinen bestand (wie auch heute noch bei den Deutschen Mehrkampfmeisterschaften des Deutschen Turnerbundes) wurde Hanni Hoppner-Schranz. Sie gewann mit großem Vorsprung vor ihren Konkurrentinnen. Ihre Leistungen: 100-.m-Lauf 12,6 Sek.; Weitsprung 5,12 m; Kugelstoß 10,05 m; Schleuderball 40,90 m. Die Neu-Isenburger bereiteten ihr einen überragenden Empfang. Eine vielköpfige Menschenmenge erwartete sie ungeduldig an der Straßenbahnendstation. Inmitten eines riesigen Zuges rollte sie auf einem blumengeschmückten Fahrzeug durch die Frankfurter Straße. In der engeren Bahnhofstraße regnete es sogar Blumen. Hanni Hoppner-Schranz konnte 1951 bei den Deutschen Turnmeisterschaften in Hannover noch einmal Zweite im Vierkampf werden.
Elise Streb – Mitorganisatorin des ersten Frauenstreiks in Deutschland – * 1824 † unbekannt
Noch im Alter von 73 Jahren arbeitete sie als eine von 208 Wäscherinnen, die in 76 Wäschereien der Stadt beschäftigt waren. Die wichtigsten Kunden waren wohlhabende Frankfurter Familien. Elise Streb arbeitete gewöhnlich von 6 Uhr früh bis 11 Uhr abends. Oft kamen Überstunden hinzu, die von der Mehrzahl der Wäschereibesitzer nicht bezahlt wurden. Oft arbeitete Elise Streb zwischen 70 und 90 Stunden in der Woche. Und das bei einem durchschnittlichen Stundenlohn von 8 bis 9 Pfennigen. Die Unzufriedenheit unter den Wäscherinnen und Büglerinnen wuchs von Jahr zu Jahr. Da es Frauen ab 1892 erlaubt war, Arbeiterinnenvereine ins Leben zu rufen, gründeten Elise Streb und ihre Mitstreiterinnen den „Allgemeinen Frauen- und Mädchenverein“. Bis zum Ausbruch des Streiks war die Mitgliederzahl auf 174 Frauen und Mädchen angestiegen. 130 von ihnen traten am 12. April 1897 in den Ausstand. Ihre Forderungen lauteten: „Einen Normalarbeitstag von 10 Stunden. Außerdem eine Vesperpause von je 20 Minuten und eine einstündige Mittagspause. Der Lohn solle je nach Qualifikation der Arbeiterin zwischen 15 und 10 Pfennige betragen. Überarbeitszeit solle zu gleichen Sätzen gezahlt werden. Da die Wäschereibesitzer nicht einlenken wollten, zog sich der Streik hin und die finanzielle Lage der Familien wurde immer schlechter. Da war es gut, dass man in Elise Streb eine Streikführerin hatte, die es immer wieder schaffte, resignierende Frauen aufzumuntern und zum Durchhalten zu bewegen. Hilfe kam schließlich von bürgerlichen Frankfurter Frauenvereinen, die zu Spenden aufriefen und öffentlich diskutierten, die Wäsche nicht mehr in Neu-Isenburg waschen zu lassen. Das half: Nach sieben Wochen war der erste reine Frauenstreik in Deutschland beendet. Elise Streb gehörte zu den 6 Vertreterinnen der streikenden Frauen, die schließlich am 1. Juni 1897 eine Vereinbarung zur Beendigung des Streiks unterzeichneten. Ihre wichtigsten Forderungen wurden darin erfüllt.
Franziska Schorch – engagierte Gemeinderätin und Abgeordnete – * 1877 † 16. April 1939
Am 12. November 1918 waren die Neu-Isenburger aufgerufen, einen lokalen Arbeiter- und Soldatenrat zu bestimmen. Unter den Gewählten war nur eine einzige Frau – die 41-jährige Anna Margarete Franziska Schorch, geborene Bartel. Für sie begann damit ein langjähriges Engagement im öffentlichen Leben der Gemeinde Neu-Isenburg – zu einem Zeitpunkt, als Frauen in Deutschland noch nicht einmal das Wahlrecht besaßen. Bei der ersten Gemeinderatswahl in der Weimarer Republik am 17. Juni 1919, das Frauenwahlrecht war inzwischen durchgesetzt, zog Franziska Schorch in den Neu-Isenburger Gemeinderat ein. Sie war Abgeordnete der SPD, die bei der Wahl 11 von 21 Sitzen errang. Die Mutter von zwei Söhnen beteiligte sich gleich in vier Gremien an der Herkulesaufgabe, Neu-Isenburg aus der Not der Nachkriegszeit herauszuführen. Sie wurde Mitglied in den Kommissionen für soziale Fürsorge, für Einkommensteuer, für die Volksküche und für Gesundheit. Außerdem leistete sie praktische Sozialarbeit. So leitete sie die Neu-Isenburger Volksküche und betreute Kindergruppen bei Erholungs- und Freizeitaufenthalten im Odenwald. 1933 setzten die Nationalsozialisten Franziska Schorchs politischem und sozialem Engagement ein gewaltsames Ende. Einen Tag nach der Reichstagswahl am 5. März 1933 wurde die 55-jährige kurzzeitig festgenommen. Ihr Amt als Gemeinderätin konnte sie nicht weiter ausüben; dem neu gebildeten Gemeinderat gehörten bald nur noch Nationalsozialisten an. Quelle: Frauenkalender Stadt Neu-Isenburg, 2015
Chemikerin Marie Curie – Nobelpreisträgerin und „Entdeckerin der Radioaktivität“ – *7. Oktober 1867 † 4. Juli 1934
Marie Curie war eine Physikerin und Chemikerin polnischer Herkunft, die in Frankreich lebte und wirkte. Sie untersuchte die 1896 von Henri Becquerel beobachtete Strahlung von Uranverbindungen und prägte für diese das Wort „radioaktiv“. Im Rahmen ihrer Forschungen, für die ihr 1903 ein anteiliger Nobelpreis für Physik und 1911 der Nobelpreis für Chemie zugesprochen wurde, entdeckte sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Pierre Curie die chemischen Elemente Polonium und Radium. Marie Curie wuchs im damals zu Russland gehörigen Teil Polens auf. Da Frauen dort nicht zum Studium zugelassen wurden, zog sie nach Paris und begann Ende 1891 ein Studium an der Sorbonne, dass sie mit Lizenziaten in Physik und Mathematik beendete. Im Dezember 1897 begann sie die Erforschung radioaktiver Substanzen, die seitdem den Schwerpunkt ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit bildeten. Nach dem Unfalltod Pierre Curies wurden ihr 1906 zunächst seine Lehrverpflichtungen übertragen. Zwei Jahre später wurde sie schließlich auf den für ihn geschaffenen Lehrstuhl für Allgemeine Physik berufen. Sie war die erste Frau und die erste Professorin, die an der Sorbonne lehrte. Als sich Marie Curie 1911 um einen Sitz in der Académie des sciences bewarb und im selben Jahr ihr Verhältnis mit Paul Langevin bekannt wurde, erschienen in der Boulevardpresse Artikel, in denen sie persönlich angegriffen und als Fremde, Intellektuelle, Jüdin und sonderbare Frau bezeichnet wurde. Während des Ersten Weltkrieges widmete sich Marie Curie als Radiologin der Behandlung verwundeter Soldaten. Sie entwickelte einen Röntgenwagen, der es ermöglichte, radiologische Untersuchungen in unmittelbarer Nähe der Front vorzunehmen, und beteiligte sich an der Qualifizierung der notwendigen Techniker und Krankenschwestern. Nach dem Krieg engagierte sie sich in der Internationalen Kommission für Geistige Zusammenarbeit des Völkerbundes für bessere Arbeitsbedingungen von Wissenschaftlern. An dem von ihr geleiteten Pariser Radium-Institut setzte sie sich für die Förderung von weiblichen und ausländischen Studierenden ein. Marie Curie wurde mehrfach ein Nobelpreis verliehen und sie ist neben Linus Pauling die einzige Person, die Nobelpreise auf zwei unterschiedlichen Fachgebieten erhielt. Quelle: Wikipedia
Helene Weber – deutsche Politikerin – * 17. März 1881 in Elberfeld (heute zu Wuppertal); † 25. Juli 1962 in Bonn
Helene Weber war eine deutsche Politikerin des Zentrums und der CDU. Sie galt als „einflussreichste Frau der Union“. Bekannt wurde sie als katholische Frauenrechtlerin, von der – die auf Kriege bezogene – vielfach zitierte Aussage stammt: „Der reine Männerstaat ist das Verderben der Völker.“ Sie ist eine der vier „Mütter des Grundgesetzes“, und hat den Satz „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ in der Verfassung der BRD mit erkämpft.
Nach der Mittleren Reife auf der Töchterschule in Elberfeld besuchte Helene Weber von 1897 bis 1900 das Lehrerinnenseminar in Aachen. Nach einigen Jahren Schuldienst in Haaren und Elberfeld studierte sie von 1905 bis 1909 Geschichte, Philosophie und Romanistik in Bonn und Grenoble. Dort schloss sie sich dem Studentinnenverein Hilaritas an. Anschließend ging sie als Studienrätin in den Schuldienst zurück und unterrichtete am Lyzeum in Bochum und ab 1911 in Köln. Sie wurde Mitglied im Zentralvorstand des Katholischen Deutschen Frauenbundes und erste Vorsitzende des Vereins katholischer Sozialbeamtinnen Deutschlands. Ab 1918 war sie Leiterin der Sozialen Frauenschule Aachen, die vom Katholischen Deutschen Frauenbund ursprünglich in Köln gegründet worden war und aus der sich später eine Abteilung in Aachen bildete, die wiederum die Keimzelle für die daraus folgende Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen wurde. 1920 wurde Weber Ministerialrätin im Preußischen Ministerium für Volkswohlfahrt, wo sie das Dezernat „Soziale Ausbildung“ leitete. Sie war damit der erste weibliche Ministerialrat Preußens. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) wurde sie am 30. Juni 1933 aus politischen Gründen entlassen und arbeitete in der freien Wohlfahrtspflege.
Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm sie den Vorsitz des Bundesverbandes katholischer Fürsorgerinnen Deutschlands und wurde erneut stellvertretende Vorsitzende des Katholischen Frauenbundes. Nach dem Tod von Elly Heuss-Knapp wurde sie von 1952 bis 1959 Vorsitzende des Müttergenesungswerks.
In der Weimarer Republik gehörte Weber dem Zentrum an. 1945 beteiligte sie sich am Aufbau der CDU. 1948 war sie Mitbegründerin der Frauenarbeitsgemeinschaft der CDU/CSU, einer Vorläuferin der heutigen Frauen Union. Von 1951 bis 1958 war sie Vorsitzende der Frauen Union.
Als Mitglied der Weimarer Nationalversammlung war sie 1919/20 an der Entwicklung der Weimarer Verfassung beteiligt. Von 1921 bis 1924 war sie Landtagsabgeordnete in Preußen und gehörte anschließend von Mai 1924 bis 1933 dem Reichstag an. Im März 1933 zählte sie gemeinsam mit dem früheren Reichskanzler Heinrich Brüning zu der Minderheit von Zentrumsabgeordneten, die sich gegen Hitlers Ermächtigungsgesetz aussprachen. Letztlich aber beugte sie sich dem Druck ihrer Reichstagsfraktion und stimmte dem Gesetz zu, das der NSDAP den entscheidenden Schritt zur Macht ebnete.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie in beide ernannte Landtage von Nordrhein-Westfalen berufen. 1947/48 gehörte Helene Weber dem Zonenbeirat für die britische Besatzungszone an. 1948 wurde sie als CDU-Vertreterin in den Parlamentarischen Rat gewählt, um als eine von vier Frauen an dem Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland mitzuwirken, sie war dort als Schriftführerin Mitglied des Präsidiums. Sie ist damit eine der „Mütter des Grundgesetzes“ und hat den Satz „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ in der Verfassung unterstützt.
Von 1949 bis zu ihrem Tode war sie Mitglied des Deutschen Bundestages, wo sie 1949 und 1953 den Wahlkreis Aachen-Stadt vertrat. Danach zog sie über die Landesliste ins Parlament ein. 1961 war Helene Weber nach Konrad Adenauer und Robert Pferdmenges drittältestes Mitglied des Bundestages.
Beharrlich drängte sie Bundeskanzler Adenauer, wenigstens ein Ministerium der Leitung einer Frau zu übertragen. Dies geschah 1961: Elisabeth Schwarzhaupt wurde Kabinettsmitglied.
Helene Weber war von 1950 bis 1962 auch Mitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarates.
Quelle: Wikipedia
Eine Broschüre zu zwölf starken Frauen aus Neu-Isenburg steht auf der Homepage der Stadt Neu-Isenburg (Öffnet in einem neuen Tab) zum Download zur Verfügung.




