Stadt Neu Isenburg

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Frauengeschichte(n) in Neu-Isenburg – das Frauenzentrum Neu-Isenburg

In Neu-Isenburg wirkten viele starke Frauen und einige der Namen sind weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt, wie beispielsweise Bertha Pappenheim (1859-1936), die sich für Frauenrechte stark machte. Doch auch in der jüngeren Geschichte der Stadt gab es aktive Frauen, unter anderem diejenigen, die 1976 das Frauenzentrum in Neu-Isenburg begründeten.

In den 1970er Jahren entstanden aus der Neuen Frauenbewegung heraus im gesamten Bundesgebiet Frauenzentren, die Frauen eigenständige, von Parteien und Staat unabhängige Räume für Austausch, Beratung und politische Organisierung boten. Die Zentren knüpften häufig an Gruppen wie Weiberräte und autonome Frauengruppen an, die sich aus der 68er-Bewegung herausgebildet hatten. Zentral war der Protest gegen den § 218, also gegen das strenge Abtreibungsverbot, aus dessen Kampagnen unmittelbar die Idee stadtteilnaher Frauenzentren hervorging.

Ein wichtiges Motiv der Frauenzentren war der Wunsch nach Selbstverwaltung: Frauen wollten sich selbst organisieren, basisdemokratisch entscheiden und nicht länger nur Appelle an Parlamente oder Parteien richten. Die Zentren wurden überwiegend ohne staatliche Förderung aufgebaut, um inhaltlich unabhängig zu bleiben und feministische Lebensentwürfe praktisch erproben zu können.

Die Frauenzentren sollten helfen, die gesellschaftliche Isolation von Frauen zu durchbrechen und als Treff-, Informations- und Diskussionsorte dienen, oft bewusst wohnort-nah im jeweiligen Stadtteil. Sie boten Raum für Arbeits- und Selbsterfahrungsgruppen zu bis dahin tabuisierten Themen wie Sexualität, Schwangerschaft und Geburt, Gewalt in der Familie oder „Lohn für Hausarbeit“. Ab Mitte der 1970er Jahre rückten sexuelle und häusliche Gewalt sowie Kritik an der männlich dominierten Medizin stärker in den Fokus, woraus unter anderem Frauenhäuser und Frauengesundheitszentren hervorgingen. Frauenzentren fungierten hierbei als organisatorische Basis, um Notrufangebote, Schutzräume und alternative Beratungsstrukturen für Frauen und Mädchen aufzubauen.

Frankfurt entwickelte sich neben Berlin zu einem der wichtigsten Knotenpunkte der westdeutschen Frauenbewegung. Hier entstand 1973 eines der ersten Frauenzentren der Bundesrepublik, dem 1976 das „Frauenzentrum Neu-Isenburg“ folgte. Beide Zentren arbeiteten zeitweise eng zusammen. Das Frauenzentrum Neu-Isenburg erregte unter anderem bundesweit Aufsehen, als es im Oktober 1977 eine Konferenz zum Thema „feministischer Alltag“ veranstaltete, zu der etwa 250 Frauen aus dem gesamten Bundesgebiet anreisten. Das Zentrum war auch publizistisch aktiv, unter anderem zum Thema häusliche Gewalt. 1982 löste es sich schließlich auf.

Im November 2026 soll es anlässlich des Jubiläumsjahrs ein Erinnerungsgespräch mit Frauen, die sich aktiv am Frauenzentrum Neu-Isenburg beteiligt haben, geben. Die Kooperation zwischen dem Stadtteilzentrum West, dem Frauen- und Gleichstellungsbüro und dem Stadtarchiv der Stadt Neu-Isenburg ist in der Vorbereitung auf den Abend auf der Suche nach weiteren Informationen und Personen. Sollten Sie Informationen, Unterlagen, Zeitungsartikel oder ähnliches zu der Aufarbeitung dieser Stadtgeschichte beitragen können, werden diese gerne vom Stadtarchiv entgegengenommen. Materialien und Informationen können gerne an das Stadtarchiv weitergeleitet werden. Das Stadtarchiv bittet jedoch vorab um Kontaktaufnahme per E-Mail oder Telefon.

Kontakt:

Stadtarchiv Neu-Isenburg 
Rathaus, Hugenottenallee 53, 63263 Neu-Isenburg 

Besucheranschrift: Frankfurt Straße 53–55

Tel.:    06102/241-456 (montags) sowie  06102/249-911 (dienstags und freitags), 

Fax:     06102/241-241

Mail:    

Öffnungszeiten:

Das Stadtarchiv ist dienstags von 11 bis 17 Uhr und freitags von 11 bis 16 Uhr geöffnet. Montags nach vorheriger Terminvereinbarung per Telefon oder E-Mail erbeten.

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