Stadt Neu Isenburg

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Ein Jahr Zusatzbezeichnung „Hugenotten- und Waldenserstadt“

Im vergangenen Jahr hat die Stadt Neu-Isenburg mit einer großangelegten Veranstaltungsreihe gemeinsam mit den örtlichen Vereinen, Unternehmen, Kirchengemeinden sowie vielen Bürgerinnen und Bürgern ihren 325. Geburtstag gefeiert. Zum eigentlichen Stadtgeburtstag am 24. Juli 2024 fanden sich im Haus zum Löwen viele Gäste aus der Stadtgesellschaft zu Geburtstagtorte und Sektempfang ein. Ein besonderes Geschenk überbrachte ein Gast aus Wiesbaden: Mit offizieller Urkunde verlieh Staatssekretär Martin Rößler im Auftrag des hessischen Innenministers Prof. Dr. Roman Poseck Neu-Isenburg die Zusatzbezeichnung Hugenotten- und Waldenserstadt.

Inzwischen tragen die Ortsschilder diesen Namenszusatz ebenso wie alle städtischen Publikationen, die Briefköpfe der Stadt und auch jede Mail aus der Stadtverwaltung weist damit auf die Stadtgeschichte hin. „Die Zusatzbezeichnung Hugenotten- und Waldenserstadt belegt unsere große Verbundenheit mit der Stadtgeschichte. Wir haben uns über die Verleihung sehr gefreut und sind sehr stolz darauf. Der Name weist daraufhin, dass unsere Stadtgeschichte eine Migrationsgeschichte ist - eine sehr erfolgreiche Migrationsgeschichte. Das Stadtjubiläum war eine gute Gelegenheit diese Geschichte, bei der französische Glaubensflüchtlinge die Hauptrolle spielten, in den Fokus zu rücken. Diese Gelegenheit haben wir mit der großartigen Unterstützung vieler Beteiligten hervorragend genutzt. Dafür an dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön“, sagt Bürgermeister Dirk Gene Hagelstein.

Am kommenden Donnerstag jährt sich der Gründungstag der Hugenotten- und Waldenserstadt erneut – Neu-Isenburg wird 326 Jahre alt: Am 24. Juli 1699 leisteten 34 hugenottische Familien im Offenbacher Schloss dem Landesherrn Graf Johann Philipp von Ysenburg-Büdingen den Treueeid. Der Graf hatte den französischen Glaubensflüchtlingen an der Südgrenze zur Stadt Frankfurt am Main ein Stück Land überlassen. Hier durften sie sich ansiedeln. Der Graf stattete die Neuankömmlinge mit großzügigen Privilegien aus. Dazu gehörte etwa die persönliche Freiheit, die Freistellung vom Wehrdienst, das Recht weiterhin die französische Sprache als „Amtssprache“ nutzen zu dürfen oder auch Kirchenvorstand und Pfarrer selbst zu bestimmen. - Damals alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Zu den Privilegien der neuen Siedler zählte in den ersten Jahren auch die Steuerfreiheit.

Die Waldenser stießen bereits 1701 zur ursprünglich hugenottischen Bevölkerung Neu-Isenburgs. Sie hatten zumeist zuvor schon in anderen deutschen Siedlungen gelebt, waren erfahren in Angelegenheiten der Selbstverwaltung und sozial engagiert. Die Aufnahme der Waldenser führte  dazu, dass der mit einem Mandat für waldensische Geflüchtete ausgestattete niederländische Gesandte Pieter Valkenier nun auch Neu-Isenburg mit Geldleistungen unterstützte. Das stabilisierte die bis dahin ungenügend ausgestatte junge Siedlung. Mit diesen Mitteln konnten unter anderem Pfarrer und Lehrer bezahlt werden.

Hugenotten und Waldenser trieben die weitere Entwicklung des Ortes gemeinsam voran. Beide Gruppen stellen Honoratioren wie Bürgermeister oder die Wirte der ersten beiden Gasthäuser. Für Hugenotten gegründet, aber ohne die finanzielle Unterstützung für die Waldenser und deren Erfahrungen in der kommunalen Selbstverwaltung nicht überlebensfähig wurde Neu-Isenburg zu einer Hugenotten- und Waldenserstadt.

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