Die Frankfurter Stadtbahn endet an der hessischen Grenze - bislang
Warum endet die Frankfurter Straßenbahn an der hessischen Grenze zwischen Frankfurt und Neu-Isenburg? Dieser Frage widmet sich eine neue Broschüre, die von der Stadt Neu-Isenburg herausgegeben wurde. Unter dem Titel „Die Frankfurter Stadtbahn endet an der hessischen Grenze“ zeichnet der Autor, Stadtrat Dirk Wölfing, auf 36 Seiten die Entwicklung der Straßenbahn von den Anfängen am Ende des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart nach.
Über die Broschüre
Zur Erweiterung des Frankfurter Stadtbahnsystems beantragte die Firma Hostmann & Cie. im Jahr 1887 den Bau einer Dampfbahn von Frankfurt bis Langen. Im ganzen Frankfurter Raum brauchten die neuen Fabriken dringend Arbeitskräfte. Wohnungen waren knapp, „Logis“ gab es teilweise nur als Bett, abwechselnd in Tag- und Nachtschicht. Vor allem im Westen von Neu-Isenburg gab es Platz für den Bau neuer Wohnungen. Die Erweiterung des Frankfurter Stadtbahnsystems nach Süden sollte einen wichtigen Beitrag zur Lösung des Wohnungsproblems leisten. Auf Frankfurter Gebiet wurde schon zwei Jahre später, am 4. Februar 1889, die sogenannte Waldbahn eröffnet. Bereits damals war die Verbindung stark nachgefragt. Rund 1.000 Menschen nutzten die Strecke täglich, um in die wachsende Industriestadt Frankfurt zur Arbeit zu pendeln.
Doch die Weiterführung über die damalige Landesgrenze scheiterte zunächst an dem Widerstand des Großherzogtums Hessen, das die Industriestädte Offenbach und Darmstadt ebenfalls mit Arbeitskräften versorgen wollte. 1911 wurde endlich eine Einigung erreicht. Die Vorarbeiten für eine Strecke zwischen Darmstadt, Frankfurt und Offenbach waren fast abgeschlossen, als der Erste Weltkrieg alle Arbeiten stoppte. Auch nach dem Krieg gab es immer wieder neue Anläufe zum Bau der Bahn. Nach dem zweiten Weltkrieg in den 70er Jahren wurde das Thema wieder heiß diskutiert. Die Broschüre zeigt die Verkehrsplanungen der Stadt Frankfurt bis in den Odenwald und die weitreichenden Stadtentwicklungspläne der Stadt Neu-Isenburg. Heute ist das Thema wieder aktuell. Eine 2024 vorgestellte, vertiefende Machbarkeitsstudie der Frankfurter Nahverkehrsgesellschaft traffiQ gemeinsam mit den Städten Frankfurt, Neu-Isenburg, Dreieich und Langen, bescheinigt einer Verlängerung der Straßenbahn großes Potential.
Stadtrat Dirk Wölfing resümiert: „Die frühere Landesgrenze und heutige Verwaltungsgrenze zwischen Frankfurt und Neu-Isenburg war aus wirtschaftlicher Sicht schon immer willkürlich. Die uneingeschränkte Mobilität ist eine wichtige Grundlage für die wirtschaftliche Prosperität des Frankfurter Raums und der Stadt Neu-Isenburgs. Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie zeigen, dass eine Verlängerung der Straßenbahn verkehrlich sinnvoll und wirtschaftlich tragfähig sein kann. Gleichzeitig stehen wir noch am Anfang eines komplexen Planungsprozesses, der bis in die Mitte der 30er Jahre dauern kann und unterschiedliche Anforderungen berücksichtigen muss. Gerade deshalb lohnt sich ein Blick in die Geschichte. Er zeigt in welchen Zeiträumen Verkehrsentwicklung gedacht werden muss.“
Die Broschüre kostet 9 Euro und ist im Neu-Isenburger Buchhandel, im Bürgeramt, in der Stadtbibliothek, im Stadtmuseum Haus zum Löwen erhältlich.




